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Ich bin dann mal hier


#1

Ich heiße Mario, wohne in der Nähe von Augsburg, und habe jeweils 1 Stück Frau (Typbezeichnung: Kerstin) und Kind (Typbezeichnung: Pia). Meine Erstzulassung datiert auf das Jahr 1968. Jobmäßig bin ich in der IT eines großen Versicherers (keine Namen :sunglasses:) als Systemarchitekt, Softwareentwickler und Projektverantwortlicher unterwegs.

Und ich bin “motorphil” (klingt jetzt irgendwie wie die erste Vorstellung im Stuhlkreis bei den “Anonymen”). Ich liebe alles, was klingt und sich bewegt, ohne dass man dafür strampeln muss :wink:. Für mich ist ein gut klingender Motor (egal ob im Auto oder beim Moped) regelrecht Musik in den Ohren. Klingt vielleicht blöd, aber irgendwie berührt das immer etwas “ganz tief in mir drinnen”. Und auf Oldtimer-Ausstellungen atme ich immer tief ein, habe den Geruch von Schmiermitteln und altem Leder in der Nase, und denke mir: “Mann, nichts riecht besser, als das”.

Motorrad bin ich ab 18 gefahren, aber wie das Leben (mit Job und Familie) so spielt, habe ich vor fast 20 Jahren damit aufgehört. War einfach keine Zeit mehr dafür übrig, und irgendwie hatte ich damals auch keine rechte Lust mehr. Davor war ich allerdings manchmal über 30.000km im Jahr mit dem Moped unterwegs (z.T. auch im Winter, inner Thermokombi, mit der sie mich bestimmt auch als Astronaut hätten durchgehen lassen). Als ich mein damals letztes Moped (eine schon ältere Yamaha FZ750) verkauft habe, musste ich trotzdem ein Tränchen verdrücken, als es abgeholt wurde (ich weiß schon: Weichei!).

Damals dachte ich mir ich hätte alles “rausgefahren”, schweee war’s , aber jetzt reicht’s auch. Witzigerweise hat mein Dad damals genau da selbst den Motorrad-Schein gemacht, als ich damit aufgehört habe (schlechtes Timing). Mittlerweile ist er ein echter Biker, schnüffelt viel Asphalt und war auf zwei Rädern sogar schon in Südafrika unterwegs. Und obwohl deswegen immer ordentliche Motorrad-Literatur auf’m Klo verfügbar war :grin:, wenn wir bei meinen Eltern zu Besuch waren, und mein Dad natürlich immer wieder schöne Moped-Stories auf Lager hatte, hat das bei mir nix mehr ausgelöst. Ist vielleicht wie mit Jägermeister litern: schmeckt gut, kommt gut, aber wenn Du mal zuviel davon hattest, willste danach irgendwie nicht mehr.

Und vor mittlerweile etwa 5 Jahren passierte dann etwas Seltsames: ich lese so verschiedene Beiträge von Bekannten und Arbeitskollegen, die Moped fahren, schau mir dabei die Bilder an, und auf einmal rührt sich “tief drinnen” auf einmal wieder etwas. Vielleicht habe ich einen an der Klatsche, aber irgendwie fühlte sich das an, wie ein Urinstinkt, der wieder geweckt wurde. Nicht ganz unschuldig an meiner neuen “Infektion” war mit Sicherheit auch einer meiner Nachbarn, der regelmäßig mit seiner Harley vorbei blubberte (wie gesagt: Musik!). Sowas kann auf Dauer einfach nicht ohne Folgen bleiben :grinning:.

Etwas wurde wieder in Gang gesetzt (im wahrsten Sinne des Wortes) …

Allerdings anders, als noch vor vielen, vielen Jahren. Damals waren Speed, Schräglage und Kurvenkratzen angesagt. Danach habe ich kein Bedürfnis mehr. Obwohl ich mit Autos schon häufiger auf Rennstrecken und bei Drift-Trainings unterwegs war, und mich nicht unbedingt als “Durchschnittsfahrer” bezeichnen würde. Ich wollte einfach nur das “Feeling”, ohne (allzu) viel Risiko. Und ohne Stress beim Fahren. Also so, dass mehr Glückshormone als Adrenalin beim Fahren ausgeschüttet werden. Kurz hatte ich auch schon die Sorge, dass es sich um eine Art Midlife Crisis handelt (OK: irgendwie habe ich diese Sorge immer noch). Dazu muss ich sagen, dass vor ein paar Jahren eine schwierige Zeit hatte. Möchte auf keine Details eingehen, aber mir wurde dringend geraten, wieder Raum zur ganz persönlichen Erholung und “Inseln der Freude” zu schaffen. Ab dem Punkt gab’s nämlich nur zwei Richtungen in meinem Leben: den richtigen und eben den anderen.

Also ging ich der Sache auf den Grund. Ich wollte wissen, was es mit diesem Gefühl auf sich hat, und ob da tatsächlich was dran ist.

Bei einem früheren Bekannten und Motorradhändler durfte ich freundlicherweise mal verschiedene Varianten ausprobieren. Schnell war klar: ein Sport-Moped oder “normaler” Tourer kommt nicht in Frage (wie gesagt: zuviel Adrenalin, zu wenig Spirit). Ich wollte tatsächlich einen Cruiser. Sehr zum Verwundern meines Bekannten, der mich von früher noch “ganz anders” kannte, und meinte, das wäre doch nix für mich. Das galt es aber herauszufinden. Daher durfte ich auch etwas länger mal mit einer Suzuki VL800 rumschüsseln. Dabei wurde mir schnell klar: ja, das ist die Art des Fahrens, die ich suche. Allerdings doch irgendwie anders. Denn ganz ehrlich: das Ding war’s einfach noch nicht. Zu wenig Klang, zu wenig Schub, zu wenig Feeling. Irgendwie von allem mindestens das Doppelte sollte es schon sein. Grundsätzlich aber die richtige Richtung.

Nach dieser ersten Orientierung ging es also los: welches Bike passt zu mir? Ich muss gestehen, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits bei diesem Hersteller aus Milwaukee durchaus das eine oder andere Modell gab, welches genau das richtige für mich wäre. Aber der Blick ins Geldsäckel sagt: nö, Junge, das kannste vergessen. Außerdem war ja immer noch nicht klar, wie intensiv die neue Leidenschaft tatsächlich gelebt werden sollte. Es ging um einen “vernünftigen” Wiedereinstieg (soweit die Vernunft bei sowas überhaupt eine Chance hat). Also galt es, einen Kompromiss zu finden.

Nach längerem Hin und Her kreiste ich alles in Frage kommende ein, und schlussendlich bin ich dann bei einer VN1500 Mean Streak gelandet. Zum Wiedereinsteiger-Preis, in freundlichem Schwarz mit einer Falcon für die Atemwege. Nicht geschenkt, aber zu einem vernünftigen Preis (und damit gerade noch im Limit). Da war auch noch diverser Firlefanz dabei, wie z.B. eine Sissybar, ein Windschild und Trittbretter statt Fußrasten. Das hat mir aber alles nicht zugesagt, daher lag das Zeug schnell im Keller. Dafür hatte ich mir in der Bucht eine andere Sitzbank geschossen. Etwas tiefer und bequemer (habe nämlich schon eine Bandscheiben-OP hinter mir und danach trotzdem wieder einen Vorfall, mit dem ich im Großen und Ganzen aber ganz gut zurecht komme). Vor allem aber mit mehr Sitzfläche für den Sozius (weil meine mittlerweile volljährige Tochter auch ab und an mitfährt).

Was soll ich sagen: es war die richtige Entscheidung, und die Mean Streak erstmal auch das passende Gerät dafür. Genau das, was ich gesucht habe, um meine “Seele zu massieren”. Ich liebe das Cruisen mit entspannter Drehzahl, das leichte Vibrieren, das meinen Körper verwöhnt, und den Sound, der dabei meinen Ohren schmeichelt.

Aaaaber dann kam’s halt doch, wie’s kommen musste: technisch war die Mean Streak einfach nicht mehr so, wie ich mir das eigentlich vorgestellt hatte. Und irgendwie habe ich dann doch immer nach “was Anderem” gespitzelt. Neuer und von Anfang an “meins”. Die Phase Wiedereinstieg war also schneller abgeschlossen, als geplant. Das “Tier” war geweckt.

Getestet wurde dann tatsächlich auch mal eine Victory, aber ganz ehrlich: da kam irgendwie absolut kein Feeling bei mir rüber. Nicht zuletzt auf Anraten der besten aller Ehefrauen führte mein Weg dann doch zum nächsten Harley-Dealer. “Einfach mal kucken und vielleicht probieren”. Was dann kam ist wohl klar: “etwas” ist passiert, als ich mit einer Fat Bob unterwegs war. Und zwar etwas, das man rationell schwer zu fassen kriegt und das da einfach mitschwang (nur der Sound war dabei noch nicht das Gelbe vom Ei). Also nochmal rumstöbern, bissl eingrenzen, und auf einmal sah ich das Ding, das wie für mich gemacht war: eine Street Bob 2014 Limited Edition. Optisch genau meins (muss ja nicht immer nur schwarz sein). Und auch von der Ausstattung perfekt passend (soziustauglich, Vorverlegte, Dragbar, schon der 103er Motor und putzfreundliche Gussfelgen, die mir noch dazu gefallen). Und wieder war’s meine Frau, die den Ausschlag gab: bevor man jetzt wieder was kauft, eigentlich was anderes will und am Ende nochmal draufzahlt - dann gleich Nägel mit Köpfen. Bzw. in diesem Fall: mit zwei Töpfen. Denn damit die liebe Seele dann doch ihre (Un-)Ruhe findet, wurde auch soundtechnisch gleich in die Vollen gegriffen und eine Kesstech montiert. Auf das Geldsäckel habe ich dabei tatsächlich keinerlei Rücksicht mehr genommen. Bereue es aber nicht. Dafür verkneife ich mir beim Rest (Kleidung, Zubehör etc.) das “Original” und komme durchaus auch mit “Low-Budget”-Sachen prima zurecht. Freut man sich umso mehr, wenn einem die Familie oder ein guter Freund dann ab und an doch mal was kleines mit Logo drauf schenkt :grin:.

Bislang hat sich absolut bestätigt, dass ein Milwaukee-Eisen im Allgemeinen und meine Bob im Speziellen genau meinen Nerv getroffen hat. Nicht zuletzt weil ich das Gefühl habe, dass man hier auch tatsächlich Teil einer Community ist und viel schneller und häufiger Gleichgesinnte kennenlernt. Mir gefällt das (allerdings lebe ich diese Community bei weitem nicht so “religiös”, wie so manch andere das mitunter praktizieren). Ich genieße daher jeden Kilometer alleine oder mit anderen. Das allerbeste daran: vor rund 2 Jahren hat tatsächlich auch meine Frau noch als Späteinsteigerin ihren Schein gemacht und fährt nun selbst. Allerdings kein Eisenschwein aus Milwaukee, sondern eher leichte, bayerische Kost (bislang eine ältere BMW F650 CS, der Wunsch nach etwas mehr “Druck” und moderner Technik ist aber bereits allgegenwärtig :wink:).

Weil ich irgendwie ein “Orientierungs-Depp” bin (ja, sowas gibt’s auch bei Mopedfahrern) plane ich meine Touren am liebsten schon im Vorfeld. Denn ich hasse große, gerade und gar überfüllte Straßen. Auf dem Moped wie auch im Auto: je kurviger, desto schön. Und unterwegs schätze ich ein Navigationsystem, mit dem ich mir schnell einen Überblick verschaffen kann, wenn ich von der geplanten Strecke abweichen muss (oder will). Die gute alte Papierkarte will ich mir dafür aber nicht mehr antun (auf meinem Tank geht das eh nicht, weil dort die Instrumente sitzen). Und hey: ich bin IT-ler, da kann ich doch nicht mehr analog! :upside_down_face:

Aber da muss ich sagen: mit keinem der aktuell verfügbaren Standalone Motorrad-Navigationsgeräte gelingt das auch nur ansatzweise, weil dafür die Auflösungen einfach zu schlecht und die Darstellung damit zu detailarm (aber witzigerweise trotzdem viel zu träge) ist. Daher bin ich mittlerweile von meinem alten Garmin (Zumo 220) auf Smartphone-Navigation umgestiegen und nutze dafür seit einiger Zeit die Kurviger-App. Zuvor andere Apps von Navigon (die sind mittlerweile Geschichte) und MyRoute-app (die haben eine tolle Web-Planungsplattform, aber die Navigations-App ist lange nicht so gut wie die von Kurviger). Erst heute hat mich die Kurviger-App wieder auf einer schönen Runde von ca. 500km begleitet (Ammersee, Starnberger See, Schliersee, Kufstein, Inntal, Achensee, Sylvensteinspeicher, Walchensee, Kochelsee, Jailhouse/Bad Tölz, zurück Richtung Augsburg dann wieder vorbei am Starnberger und Ammersee). Alles sauber geführt (und unterwegs hier und da angepasst). Die App läuft übrigens auf einem alten Handy meiner Tochter (Moto G 3rd Gen), weil das nicht so stromhungrig ist, noch einigermaßen handlich und robust genug für den Einsatz auf dem Moped (sogar wasserdicht).Befestigt mit so einer Silikon-Halterung, in der man das Handy einspannt (macht Sinn, weil das auch ganz gut entkoppelt und mein Moped durchaus einige good vibrations produziert). Hat dabei noch nicht einmal eine eigene SIM-Karte, weil die notwendigen Daten via Bluetooth-Tethering über mein “Haupt-Handy” gezogen werden, das immer sicher in meiner Jackentasche verstaut ist. Klingt vielleicht ein bisserl kompliziert, funzt aber wunderprächtig.

So, das war’s jetzt aber (endlich).

Tut mir leid, dass ich euch jetzt so tierisch vollgelabert habe. Diejenigen, die beim Lesen zwischenzeitlich eingeschlafen sind, können jetzt auch wieder aufwachen :rofl:. Wollte einfach mal eine “storymäßige” Vorstellung lostreten, bei der man sich auch den Typen dahinter vorstellen kann. Aber jetzt hör’ ich auch auf. Ehrlich.

die Linke zum Gruß
Mario

By the way: sorry for not introducing me in German language. My English is not as fluent as it should be. And this post is meant as a personal statement, representing my individual style and trying to show up my “mind setting”. I think a lot of this would be missing, if I’d try to transport it in English.

But I promise to use English for further (and for sure more important and relevant) posts covering all the real Kurviger topics. :smile:


#4

Hi Mario,

wow, danke für die ausführliche und auch humorvolle Vorstellung. Gerade wie du wieder zurück zum Motorradfahren gefunden hast hat mir sehr gut gefallen. Genau so soll es ja eigentlich sein, die Freiheit und Entspannung des Motorradfahrens um aus dem Alltag auszubrechen.

Nachdem ich im Vorab ja schon wusste, dass du eine Harley fährst, hab ich mich schon gefragt, wann du die denn wohl kaufst, nachdem du ja erstmal bei der Vernunftsmaschine hängen geblieben bist ;).

:rofl:

Das ist natürlich auch ein tolles Motorrad für den Anfang, aber ich kann den Drang nach mehr Druck absolut nachvollziehen. Ich bin die F650GS vor geraumer Zeit mal Probe gefahren, als ich von meiner 600er Bandit aufsteigen wollte, … da dachte ich mir auch: von allem mindestens das Doppelte ;).

Jetzt bin ich aber doch gespannt, welche Farbe ist es denn geworden? Wenn du magst, dann kannst du ja auch noch ein Bild von deiner Maschine hochladen, würde mich echt interessieren :)?

P.S. Ich müsste auch mal eine Vorstellung schreiben :upside_down_face:.

Beste Bikergrüße,
Robin


#5

Kein Problem. Hier zwei halbswegs aktuelle Bilder (die eine oder andere Kleinigkeit wie Griffe und Fussrasten hat sich zwischenzeitlich noch mehr in Richtung Chrom verändert). Die “Special” gab’s damals nur in dieser Lackierung (zu dieser Zeit war bei der Street Bob normalerweise schwarz und matt sehr angesagt).


#6

Wow, gefällt mir sehr gut. Den Doppelrohrauspuff hab ich mir nach der Beschreibung ganz anders vorgestellt. Gut, dass deine Frau mittlerweile ein eigenes Motorrad hat, viel Platz für den Sozius ist da ja nicht? Ich sehe Soziusrasten, passt da tatsächlich noch ein Sozius drauf :smirk:?

Die Gusseisen Felgen waren meiner Meinung nach die richtige Entscheidung und passen wirklich gut zum Mopped :+1:.

Wünsche dir auf jeden Fall eine gute Fahrt und weiterhin viel Spaß beim Cruisen.


#7

In der Tat :rofl:. Das ist allerdings auch der Solositz, mit dem ich normalerweise fahre. Wenn meine Tochter mitfährt kommt da ein Tourensitz drauf (der geht dann natürlich auch über den Heckfender). Der ist zwar bockhässlich und mir taugt die Fahrerposition auch nicht mehr so, ist aber “für beide Parteien” sehr bequem.

Yep. Wer einmal Speichenfelgen pflegen und putzen musste, weiß die Vorteile der Gussis zu schätzen. :wink: